weiterbauen statt neu bauen – die erweiterung von beckabeck in römerstein-böhringen
mit der erweiterung des produktions- und verwaltungsstandorts in römerstein-böhringen verfolgt beckabeck einen ansatz, der im gewerblichen bauen zunehmend an bedeutung gewinnt: die qualitätsvolle weiterentwicklung eines bestehenden standorts. rund 2.200 quadratmeter zusätzliche nutzfläche wurden entlang zweier fassaden des bestandsgebäudes realisiert – innerhalb von 14 monaten und bei uneingeschränkt laufendem produktions- und lieferbetrieb.
die besondere herausforderung lag damit weniger allein in der baulichen erweiterung als in ihrer präzisen integration in die bestehenden betriebsabläufe. bauphasen, logistik und produktion mussten eng aufeinander abgestimmt werden. die architektur reagiert darauf mit einer klaren, konstruktiv nachvollziehbaren ergänzung des bestands.
das tragwerk aus stahlbeton erfüllt die hohen anforderungen der produktionsbereiche an tragfähigkeit und brandschutz. dem robusten massivbau wird eine vorgehängte holzfassade gegenübergestellt. das aus regionaler forstwirtschaft stammende holz verleiht dem gebäude eine eigenständige identität und übersetzt den bezug zur region in eine unmittelbar wahrnehmbare materialität.
auch im inneren wird dieser ansatz fortgeführt. sichtbare holzelemente und akustikdecken aus holzwolle verbinden funktionale anforderungen mit einer warmen, haptisch erfahrbaren atmosphäre. großzügige kastenfenster mit integrierten sitzbänken erweitern die arbeitsbereiche um qualitätsvolle aufenthaltszonen und stellen einen unmittelbaren bezug zur landschaft her.
die fassade übernimmt dabei mehr als eine rein gestalterische funktion. große verglasungen ermöglichen einblicke in die produktion und machen die betrieblichen abläufe nach außen sichtbar. der produktionsstandort wird damit nicht abgeschottet, sondern als teil des unternehmensbildes und seiner regionalen identität inszeniert.
ein integraler bestandteil des entwurfs ist das energiekonzept. photovoltaik, die nutzung von abwärme aus den backöfen über eine wärmepumpe sowie eine tageslichtoptimierte gebäudeplanung tragen zur reduzierung des energiebedarfs bei. nachhaltigkeit wird damit nicht als nachträgliche technische ergänzung verstanden, sondern als bestandteil von konstruktion, gebäudebetrieb und entwurf.
das projekt zeigt exemplarisch, welches potenzial im weiterbauen bestehender gewerbestandorte liegt. anstatt neue flächen zu erschließen, wird vorhandene infrastruktur genutzt und architektonisch weiterentwickelt. die kombination aus massiv- und holzbau, regionalen materialien, energetischer optimierung und einer auf den laufenden betrieb abgestimmten planung verbindet ökonomische anforderungen mit einem zeitgemäßen verständnis von baukultur.
die erweiterung von beckabeck versteht sich damit weniger als solitär denn als konsequente fortschreibung eines gewachsenen ortes. gerade darin liegt ihre architektonische qualität: nachhaltigkeit entsteht nicht allein durch technische systeme oder die wahl einzelner materialien, sondern durch die entscheidung, bestehendes weiterzudenken und den vorhandenen standort langfristig nutzbar zu machen.
fotografie: david matthiessen